Die ersten zwei Tage besichtigen wir Old Delhi, das alte rote Fort, den Gewürzmarkt und allerlei Straßen und Basare. Wir lernen ständig dazu, so zahlen wir beim ersten mal für die Fahrradrikscha noch 50 Rupies, später nur noch 10. Doch es ist immer noch schwer, da wir die Distanzen kaum einschätzen können müssen wir den Aussagen der Fahrer vertrauen und bezahlen schlichtweg zu viel.
Kaufen wir Bananen oder Äpfel am Straßenrand, wird hart verhandelt, und doch haben wir immer wieder das Gefühl am Ende immer noch zu viel gegeben zu haben. Wir feilen noch verschiedene Methoden aus, aber es ist auf Dauer auch anstrengend und ermüdend.

Den ersten Tag begleitet uns Emilie mit auf unserer ersten Entdeckungsreise, wir verstehen uns gut und es ist schön die ersten Eindrücke und Erfahrungen austauschen zu können.
Die Blicke der Männer auf Anita, beziehungsweise auf ihre Haare, reißen nicht ab, und im roten Fort wird sie sogar von Männern und Frauen gebeten mit Ihnen zusammen ein Foto zu machen.

Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit sind auch noch schwierig zu ertragen für uns, Schweiß läuft uns durchgehend herunter, es ist ähnlich wie in der Sauna, nur dass man sich hier frei bewegen kann. Da aber selbst manchen Einheimischen die Schweißperlen auf der Stirn stehen, fühlt man sich nicht ganz allein, Patrick denkt sich “schwitzen ist gesund” und wundert sich nur wie manche es schaffen mit Jeans und festem Schuhwerk sich auf diesem Flecken Erde zu bewegen.

Jeans und auch Brillen sind für Patrick ein Indiz für Wohlstand, und am zweiten Tag lernen wir ganz kurz das moderne Indien kennen. Wir fahren mit der Metro.
Öffentliche Einrichtungen, somit viele der Besichtigungsstätten aber eben auch die Metro oder der Hauptbahnhof können in Delhi nicht einfach so betreten werden, man muss jedes Mal durch eine Sicherheitskontrolle wie wir es vom Flughafen kennen: man legt sein Gepäck auf ein Förderband welches durch einen Gepäckscanner führt, während man selbst durch einen dieser Metalldetektoren hindurch muss. Allerdings wird hier eher das Gegenteil von deutscher Gründlichkeit betrieben, aber es hält “Gesindel” ab und man wird nicht oder kaum be-bettelt.
Innerhalb einer Metro Station sieht man daher ein ganz anderes Clientel, den Mittelstand, welcher ganz gepflegt und diszipliniert sich auf den Bahnsteigen bewegt. Ganz brav stehen die Inder in Schlangen vor den Türen an. Das muss man fast so hervorheben, da es für uns das krasse Gegenteil zu den Erfahrungen am ersten Tag ist, es kommt einem fast so vor als hätte man die Stadt oder zumindest den Stadtteil gewechselt. Auch die Metro an sich ist hochmodern, klimatisiert und die Stationen blinken auf der Übersichtskarte in den Metrowägen auf bei Ankunft, ein echter Vorteil für uns Touristen!
Kaum aus der Metro ausgestiegen jedoch erwartet einen das bekannte Delhi, und die ersten Rikschafahrer versuchen einen zum mitfahren zu überreden – wir können unsere europäische Herkunft leider nicht verleugnen, somit beugen wir uns dem Schicksal und können nur versuchen alle Verkaufsversuche zu ignorieren.
Aber eigentlich interessiert uns: Wo versteckt sich das moderne Indien, die disziplinierte Umgebung die wir in der Metro kennengelernt haben?

Insgeheim wünscht man sich in Delhi, man könnte nach dem anstrengenden Basar und der Hitze an den Strand gehen und ins Meer springen, nur leider bleibt es ein Wunschtraum, und somit bleibt einem nur die Flucht.
Unsere geplante Flucht soll per Zugreise weitergehen, somit machen wir uns auf zum Bahnhof um uns im Tourist Office Tickets zu besorgen. Für umgerechnet ca. 10,- € pro Person buchen wir eine Fahrt in das 700km entfernte Varanasi, zweite Klasse im Schlafwagen und voll klimatisiert.
Nur wo der Zug abfahren wird, genauer gesagt an welchem Gleis, kann man uns nicht sagen, wir sollen einfach 60 Minuten vorher am Bahnhof sein und unseren Zug auf der Anzeigetafel suchen.
Wir sind 90 Minuten vorher da, und von unserem Zug ist nichts zu lesen. Deutsch wie wir sind machen wir uns wieder auf ins Tourist Office, erhalten dort aber nur die Antwort dass der Zug schon noch auf der Tafel erscheinen wird, manchmal auch erst 30 Minuten vorher.
Zurück in die Halle, wir passen uns den Indern an und setzen uns aus Mangel an Sitzmöbel auf den Boden und starren zur großen Anzeigetafel. Als 40 Minuten vor Abfahrt immer noch kein Lebenszeichen unseres Zuges vorhanden ist, macht Anita sich auf einen Infostand zu suchen, während Patrick auf das Gepäck in der Halle aufpasst.
Wie die Geier versuchen verschiedenste Personen nun Anita zu “helfen”, erzählen sie würden eigentlich im Tourist Office arbeiten, sie solle mitkommen, der eine zeigt in die völlig andere Richtung, und eine kleine Traube beginnt sich um Anita zu formieren, die fest in der Hand unser Ticket hält, bis eine stämmige Frau in einem gepflegtem blauen Sari und Brille (!) Anita erklärt, sie solle einfach zu der Sicherheitskontrolle und dort fragen. Dort erfährt sie, das der Zug von Gleis 12 abfährt, da würde er immer fahren und es gibt nur diesen Einen. An Gleis 12 finden wir auch einen Zug nach Varanasi, nur ist es nicht unser Zug. Wir finden zwar den auf unserem Ticket angegebenen Wagen B1, aber an der Tür an dem die Namen aller Mitreisenden zu finden sind, stehen andere Namen auf unseren angegebenen Sitzplätzen. 20 Minuten noch, es ist heiß, wie immer laut, unsere Rucksäcke schwer genug, machen wir uns gerade wieder auf zum Tourist Office, da entdecken wir auf Gleis 14 eine Anzeige mit unserer Zugnummer! Dort angekommen werden wir von zwei jungen Japanern gefragt ob wir auch nach Varanasi wollen, sie würden ebenfalls den Zug suchen, und wir erfreuen uns gegenseitig an der Tatsache Mitleidende gefunden zu haben.
Am Bahnsteig werden Schlösser und Ketten verkauft, damit man sein Gepäck im Schlafwagen festketten kann. Wir nehmen das Angebot nicht wahr, aus zwei Gründen: wir glauben dass diese Verkäufer eventuell auch die Diebe sind und für alle Schlösser den Zweitschlüssel besitzen, und Patrick hat aus Deutschland schon ein altes Fahrradschloss mitgenommen dass für unsere Zwecke völlig ausreicht.
Minuten später treffen wir die zwei Japaner wieder, im gleichen Abteil, sie haben die Betten über uns. Kazuhiko und Takahiro sind zwei Jungs die Ihre Studienzeit unterbrochen haben, Kazu ist seit 1 Jahr unterwegs um die Welt, und Taka macht nur 3 Wochen Ferien. Sie lernten sich im Bus vom Flughafen kennen, so wie wir dort auch auf Emilie trafen.
Mit im Abteil ist ein junger indischer Arzt, Spezialist für Ultraschall und wieder Brillenträger mit Jeans. Bis wir unsere Betten aufbauen, haben wir alle einen sehr netten Abend mit anregenden Gesprächen über unsere verschiedenen Kulturen und Sprachen, bis wir letztendlich unsere Sachen festketten und uns durch das Schaukeln des Zuges in einen angenehmen Schlaf wiegen lassen.

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