Sehr kurze Version: Bus Bus Bus. Geburtstag. Wüste. Bus Bus Bus
Kurze Version:
Wir kommen mit dem Bus in Jaisalmer an, der Stadt aus Sandstein in der Wüste. Wir treffen dort auf 4 Chilenen und wir feiern gemeinsam in den Geburtstag von Lou. Danach versuchen wir durch die verlassene Stadt in der Nacht unser Hotel wieder zu finden, doch am nächsten Tag erwartet uns eine traumhafte Reise in die Tahr Wüste auf dem Kamelrücken, inklusive Übernachtung in den Dünen. Danach steigen wir aufgrund von ausgebuchten Zügen wieder in den Bus.
Lange Version :
Passieren eigentlich gerade wichtige Dinge in Deutschland? In München feiert Ihr ja gerade alle auf der Wiesn, somit ist für diese 2 Wochen Nachrichtenstillstand, aber gibt es aus Berlin eventuell etwas Neues? Bezahlt Ihr noch mit Euro?
Wir bekommen hier gar nichts mit vom Rest der Welt, und wir genießen diese Tatsache richtig. Auch Wochentage verschwimmen immer mehr und mehr.
Wir befinden uns in den letzten Zügen in Udaipur, und warten diesmal mit 5 anderen Paaren auf den Bus nach Jaipur, plötzlich werden zwei Paare angewiesen mitzukommen, eines davon sind wir.
Während dem gemeinsamen Warten mit den Anderen wussten wir, das wir alle das selbe Ziel haben, da waren zum Beispiel Lou und Pia aus Chile, aber die beiden durften sitzen bleiben, während wir mit einem Paar aus Israel dem Jungen folgen der uns angeblich zu unserem Bus führt. Patrick erfährt durch hartnäckiges Nachfragen, dass es zwei gleiche Busse gibt, und die anderen noch Wartenden in den nächsten Bus kommen.
Diesmal liegen wir in der ersten Kabine hinter dem Fahrer, die Bettliegen sind feucht und es müffelt etwas, aber es stellt sich heraus das dieser Bus im Besitz von Stoßdämpfern ist und die Fahrt ist um einiges erträglicher.
Um 4:30 Uhr werden wir unsanft geweckt, “Bus Change!” hören wir und so steigen wir in einen anderen Bus, irgendwo im Nirgendwo, doch diesmal ist die Kabine trocken und nicht ganz so dreckbelagert. Nach 10 Minuten stoßen auch die Anderen dazu die mit dem zweiten Bus gefahren sind und auch deren Bus hatte ähnlichen “Komfort”.
In den Morgenstunden wenn die ersten Lichtstrahlen die trockene Erde Indiens benetzen, ist das Busfahren allerdings sehr spannend: Man sieht Mensch und Tier erwachen, die Stille der Nacht wird durch erste Alltagsgeräusche verdrängt, und die Morgenröte färbt die Landschaft in seine vielfältige Farbenpracht! So blumig wie hier beschrieben ist es wirklich in manchen Momenten.
Immer mehr gewöhnen wir uns an Indien, die Hitze wird von Tag zu Tag weniger ein Problem, die Mägen haben sich erholt, die Nasen sind wieder frei und wir können uns wieder ganz mit allen Sinnen auf Indien einlassen.
Kurz vor unserer Ankunft verspricht man uns im Bus, dass man uns gleich bei der Ankunft aufliest und für 10 Rs zu unserem Hotel bringt, welches wir einem Tipp nach von Sigal und Ihrem Mann aus Israel, die wir in Udaipur trafen, ausgesucht hatten.
Wir nehmen dankend an und finden uns kurze Zeit später in einem Jeep mit noch vier weiteren Touristen wieder, da diese jedoch noch keine Unterkunft haben, bringt man uns alle erstmal in den Stadtkern, die anderen steigen aus und wir fahren weiter, während wir mit unserem Fahrer laut diskutieren müssen. Er möchte uns zuerst noch ein Hotel zeigen dass viel besser sei als unseres, zudem sei es direkt im Zentrum und nicht 3 km weit entfernt. Nachdem wir hart ablehnen, werden wir rausgeworfen.
Wir sind also da, in Jaisalmer, der goldenen Stadt in der Wüste die von einem riesigen Fort überragt wird und so wie der Rest der Stadt aus Sandstein erbaut ist.
10 Minuten später finden wir uns in unserem Hotel ein, das eigentlich nur einen Katzensprung entfernt ist, wir aber dennoch die Dienste einer Rikscha in Anspruch nehmen um dorthin zu gelangen.

Nach dem obligatorischem Besuch des Forts treffen wir am Nachmittag wieder auf Lou und Pia, die beiden Mädels aus Chile, wir verabreden uns zum gemeinsamen Abendessen und Pia steckt uns noch leise zu, das Lou am nächsten Tag Geburtstag hat.
Im “Little Italy” – einem Italiener genau am Fuße des Forts besänftigen wir gerade unseren Heißhunger auf europäische Küche, da erkennt Pia Matthias und Sandro, die gerade im Begriff waren das Lokal zu verlassen. Matthias haben sie In Kalkutta getroffen, und Sandro machte in Vietnam eigentlich nur kurz ein Foto von Pia und Lou, Matthias und Sandro trafen sich in Varanasi und da auch beide aus Chile waren, wurden sie zu gemeinsam Reisenden. Klingt kompliziert? Egal, denn jetzt waren wir ein lustiger Haufen und konnten wunderbar in den Geburtstag von Lou feiern.
Ab 23 Uhr schließen die Hotels in Jaisalmer die Pforten, wir feierten mit ein paar Bier – die wir “illegal” nach 20 Uhr noch erwarben – auf dem Hoteldach in welchem die Mädels nächtigten, und da Geburtstage selbst in Chile erst um Mitternacht gefeiert werden, verließen wir das Hotel erst gegen 0:45 Uhr und machten uns auf unser eigenes Hotel im Gewirr der Gassen zu finden und in der Hoffnung doch noch Einlass zu finden.
Auch Nachts sind die Straßen und Gassen voll, jedoch ist keine Menschenseele unterwegs, dafür umso mehr Kühe und Straßenhunde, die sich alle nach Essensresten des Tages umsehen. Die Kühe sind wir gewohnt, aber für die Hunde bedeutet die Nacht wohl einen Reviertausch, das tagsüber von Menschen belebt wird und in der Dunkelheit von ihnen. Knurren und Fauchen begleitete unseren Weg, vorbei an den wiederkäuenden Kühen und deren Hinterlassenschaffen, bis wir die Unterkunft erreichten, an der Tür der Sohn des Besitzers auf uns wartend. Er erklärt uns das ab 22:30 Uhr die Tür verschlossen werde, wir reden uns darauf aus nicht belehrt worden zu sein, und begeben uns zu Bett.
Tags darauf erfahren wir nach einer Wartezeit von 1:50 Stunde am Bahnhof, dass wieder alle Züge voll belegt sind. Uns bleibt wieder nur der Bus. Wir kehren heimwärts und packen jedoch erstmal für unser nächstes Highlight, eine Kamelsafari durch die Wüste.
Jaisalmer liegt in der Thar-Wüste, es ist dementsprechend heiß, jedoch macht eine andere Sache das Leben in der Stadt noch viel unerträglicher: die Abwasserkanalisierung findet nicht unterirdisch statt, sondern über Rinnen an beiden Seiten der Gassen und es stinkt buchstäblich zum Himmel.
Zwar ist es hier – besonders durch die Wüste – wieder eine neue Stadt, durch den Sandstein und die Hitze hebt sich Jaisalmer von unseren bisherigen Städten deutlich ab, aber uns dürstet nun nach ein bisschen Abenteuer, und eine Safari inklusive Übernachtung in den Dünen kommt uns sehr gelegen.

Bevor es in die eigentliche Wüste geht sind ca. 60 km Fahrt im Stil-echten Safari-Jeep zu überbrücken und auf dem Weg passieren wir noch einige Sehenswürdigkeiten, Bara Bagh, Amer Sager und Kuldhara. Lauter kleine Tempel zieren Bara Bagh, jeder steht für einen Maharadscha. Starben die Männer früher wie ihre Frauen so waren diese verpflichtet sich selbst zu entzünden, und auch für die Frauen stehen hier kleine Tempel.
Der Sage nach flohen in einer Nacht alle Bewohner von Kuldhara, da sie von einem bösen Minister regiert wurden, und da sie sich keinen Ausweg wussten, war der Plan geboren über Nacht zu türmen. Sie hinterließen eine ganze Stadt und den Minister, heute stehen noch die Ruinen in der Wüste als einzige Zeitzeugen, die ursprünglichen Bewohner wurden nie wieder gesichtet. Ob diese nette Geschichte ganz der Wahrheit entspricht bleibt uns überlassen, aber durch die Ruinen zu laufen und in den verlassenen Hütten auf Fledermäuse zu stoßen ist doch recht spannend.
Dann aber kommen wir zu den Kamelen die an der Straße auf unsere Ankunft warten, wir sind nicht ganz allein und werden von Yohei aus Japan begleitet. Unsere drei Verkehrsmittel durch die Wüste heißen Lola, Munja und Sonja – jede mit ihrer ganz eigenen Eigenart: Lola entlässt unentwegt Gase in die Welt, ist dafür aber ausgeglichen, Munja läuft gerne gegen Bäume und Sonja macht es Munja gleich. Nach eineinhalb Stunden Kamelritt erreichen wir die Lakmana Dünen und während unsere Kameltreiber Zunder sammeln um das Abendessen zu kochen, erklimmen Patrick, Anita und Johei die höchsten Dünen und genießen den Sand zwischen den Zehen und die Ruhe in den Ohren.





Patrick’s Arbeitskollegen schenkten ihm zum Abschied unter anderem ein “Swedish Fire Steel”, ein Stück das aussieht wie Stahl und fährt man mit einem Metallplättchen darüber entstehen Funken um damit ein Feuer zu entzünden. Hier ist die beste Gelegenheit das gute Stück zu testen, Patrick sammelt ein bisschen Zunder und entzündet unter den erstaunten Augen der indischen Begleiter ein Feuer.

An dieser Stelle sei erwähnt, auch Kompass und Survival Kit haben beide schon gute Dienste geleistet! Nach dem Sonnenuntergang werden wir mit einem köstlichen und ausgiebigen Essen verköstigt, dem bisher besten, das uns in ganz Indien untergekommen ist, danach werden unsere Liegen auf die Dünen getragen und wir entschlummern in die Nacht.
Oder wir versuchen es zumindest, denn der Mond – es ist etwas über Halbmond – scheint so hell, dass wir alles hell erleuchtet sehen und uns einen Lichtschalter wünschen. Zudem kommt ein starker Wind auf, doch nach einigen Minuten gelingt uns dennoch der Eintritt ins Traumreich, direkt unter dem Sternenzelt.

Der Morgen ist kalt, der Wind war feucht und so sind es unsere Decken und der Sand der Dünen auch, aber es dämmert schon und wir stehen auf um den Sonnenaufgang zu erleben. Nach einem guten Frühstück besteigen wir wieder Lola, Sonja und Munja und treten die Rückreise an.
Die Wüstenerfahrung war phänomenal, endlich keine lauten oder stinkenden Straßen, das erste Mal das Gefühl von Erholung und viel Spaß! Wäre es möglich würden wir noch ein paar Nächte mehr in der Einöde verbringen.
Am Nachmittag suchen wir noch ein Internetcafé auf, jedoch scheint die Wüstenstatt noch großteils offline zu sein und so laufen wir uns die Hacken wund bis wir endlich in einem kleinem Hinterzimmer mit extrem langsamen WiFi versorgt werden.
Am Abend steigen wir wieder in den Bus, und inzwischen ist es alles schon gar nicht mehr so schlimm, die Stoßdämpfer sind wieder in Ordnung, wie wir unser Gepäck verstauen ist klar, wir werden nicht mehr nervös wenn der Bus mitten in der Nacht irgendwo anhält oder der Gang mit so vielen Personen gefüllt ist das kein Streifenhörnchen dazwischen mehr Platz hat, wir haben uns daran gewöhnt, und so entschlummern wir schnell in unseren leicht holprigen Schlaf. Um 23 Uhr sinkt die Temperatur dann endlich unter 30 Grad.
Und das ist hoffentlich das letzte Mal, dass wir über unsere Busfahrt schreiben müssen.
+++++
Nachtrag: Wir versuchen so oft es uns moeglich ist zu schreiben, aber nicht immer finden wir Internet – also keine Angst wenn mal ein paar Tage nichts kommt..









