Schon seit zwei Jahren ist DLNA für mich ein fester Bestandteil meines Heim-Netzwerkes und überträgt durch einen zusätzliches Empfangsgerät meine Mediensammlung wunderbar zum alten Röhren-TV.
Aber was ist eigentlich DLNA? Die Wikipedia dazu:
Die Digital Living Network Alliance (DLNA) ist eine internationale Vereinigung von Herstellern von Computern, Unterhaltungselektronik und Mobiltelefonen mit dem Ziel die Interoperabilität von informationstechnischen Geräten unterschiedlicher Hersteller aus dem Bereich Heim und Eigengebrauch sicherzustellen.
Um es einfacher zu sagen: DLNA kompatible Geräte können Medien von einem Medien Server empfangen und abspielen, das können Fernseher sein, aber auch Lautsprecher-Systeme oder eine Playstation 3 können als sogenannter DLNA-Client dienen. Das ganze wurde entwickelt um es dem Benutzer zu vereinfachen, seine Medien auf verschiedenen Geräten wiedergeben zu können.
Es gibt allerdings einen Hacken an der ganzen Sache: Das Gerät (also der Client) spielt nur die Medien ab, die er auch selbst dekodieren kann. Hat man also eine XVID-Sammlung von der eigenen DVD-Collection angelegt, so muss der Client (z.B. der Fernseher) auch XVID-Filme abspielen können.
XVID ist glücklicherweise inzwischen nicht mehr das Problem bei modernen Geräten, allerdings hat nicht jeder alle seine Filme unbedingt im gleichen Format. Ich persönlich sammle etwa gerne Kurzfilme von vimeo.com auf der heimischen Festplatte, oder Youtube-Videos in denen ich selbst vorkomme (nein ihr findet mich sicher nicht). Über die Jahre kommt so schon Mal eine ziemliche “Artenvielfalt” an verschiedenen Codecs zusammen.
Inzwischen sind zu meinen persönlichen netzwerkfähigen Geräten zwei weitere hinzugekommen: Ein Flachbildfernseher mit DLNA und ein BlueRay-Player, ebenfalls mit Netzwerkanschluss. Schon im Vorfeld recherchierte ich nach alternativer DLNA Server Software, vor allem mit der Fähigkeit, Medien “transcodieren” zu können.
Transcodieren? Ja, das schließt die Lücke zwischen der “Artenvielfalt” und der Einschränkungen des Clients: Kann also ein Fernseher keine XVID Filme abspielen, so transcodiert die DLNA Software den Film live in ein für den Fernseher passendes Format, das er abspielen kann. Das Video wird dann z.B. in einen MPEG-Stream umgewandelt während man den Film ansieht. Das verzögert den Start des Filmes zwar um wenige Sekunden, was aber durchaus verschmerzbar ist im Gegenzug dafür dass man den Film doch ansehen kann. Bisher hatte ich noch keinen DLNA Server mit dieser Fähigkeit im Einsatz, da ich vor Jahren, als ich begann meine kompletten DVDs und CDs auf die heimische Platte zu kopieren, alles in ein und dem selben Format (XVID und MP3) konvertiert hatte. Dass ich ein paar Dateien nicht abspielen konnte (die von vimeo.com oder youtube) ließ sich schon verschmerzen.
Aber jetzt war da ja ein neuer Fernseher, und wie so oft bei neuen Geräten wird der Rest auch mit rundum erneuert. Da ich noch einen recht unbeschäftigten Pentium 4 mit 2,8 GHz laufen hatte, wurde dieser direkt zum neuen Medienserver befördert. Denn für die Transcodiervorgänge wird ein bisschen Rechenlast benötigt, und die konnte ich meinen bisherigem Medienserver nicht mehr zumuten. Hier die Erfahrungen die ich mit den verschiedenen DLNA-Servern in den letzten Tagen hatte:
Windows 7: Ja, Windows 7 kann als DLNA Server fungieren, und zwar ab Werk. Dafür aktiviert man nur die Medienstreaming Funktion in der Systemsteuerung
. Daraufhin verteilt Windows die Bibliotheken aus dem Windows Media Player im heimischen Netzwerk. Große Einstellungsmöglichkeiten bleiben dem Nutzer verborgen, nur die Zugriffsmöglichkeiten der einzelnen Clients lässt sich steuern. Dennoch ist die eingebaute DLNA Funktion ein sehr gutes Feature, dass sich z.B. auch mit einem Windows Media Center koppeln lässt: Somit müssen die Dateien nicht auf dem Media Center PC selber liegen. Eine genaue Erläuterung der Streaming Funktion findet sich bei dem MSDN e7blog. Unbekannte Dateiformate werden allerdings nicht transcodiert.
FreeNAS/FUPPES: Um einem älterem PC Modell noch eine Aufgabe geben zu können, ist FreeNAS ein wunderbares OpenSource Produkt, welches jeden PC in ein NAS verwandeln kann. Mit ein klein bisschen Software hat man ein riesen Packet an Möglichkeiten: FreeNAS kann mehrere Festplatten zu einem RAID-Verbund koppeln, verschiedene Dateisysteme unterstützen, und bietet eine große Auswahl an Diensten an. Neben SMB/CIFS, iTunes Server, iSCSI-Target oder Bittorrent Server, bietet FreeNAS auch UPNP/DLNA an. Das dafür verantwortliche Plugin ist Fuppes, der Free UPNP Entertainment Service. Fuppes ist auch als eigenständiges Stück Software erhältlich und verteilt mit mehreren Einstellungsmöglichkeiten die eigene Mediensammlung. Aber auch Fuppes transcodiert keine Dateiformate um, ist aber eine nette und vor allem kostenfreie Alternativsoftware.
TVersity:
Mit inzwischen über 9 Millionen Downloads, die wohl am meisten verwendete Software um die eigenen Medien an die verschiedenen Empfänger zu verteilen. Die schlagenden Argumente für TVersity sind das transcodieren der nicht unterstützen Dateien, sowie die benutzerfreundliche Oberfläche und kinderleichte Bedienung. Der Hacken “Transcode if needed” suggeriert dem Anwender schon: “Kümmere dich bloß nicht zu viel, ich mach das schon alles”. Und TVersity macht das auch fast immer anstandslos. Aber es benötigt dann doch gut Prozessorleistung beim transcodieren, wie übrigens alle anderen Konkurrenten auch: Wird ein Film angefordert der nicht im richtigen Format ist, freut sich der Stromanbieter, alle Kerne gehen auf Vollast, um das bestellte Material schnellstmöglich liefern zu können. Der Vorteil der Einfachheit ist der Nachteil der Detail-Verliebten: Die Möglichkeiten an bestimmte Dingen zu feilen und zu konfigurieren sind nicht gegeben. TVersity weiß ja wie es am Besten für einen ist. Dafür kommt es in einer Free Edition, die Pro-Version bietet da ein paar Tuning-Rädchen mehr.
TwonkyMedia Server: Vorab zur Warnung: Dieser DLNA-Server ist nicht kostenlos, nach 30 Tagen Testzeitraum muss man ca. 15 EUR berappen. In vielen Foren wurde über Twonky geschwärmt, und Aussagen wie “die Lizenzkosten sind es tausendmal wert” bewegten mich zu einem weiteren Test, zumal mich bis dahin noch keine Software vollends überzeugen konnte. Aber Twonky war für mich eine herbe Enttäuschung: Zwar streamte und transcodierte Twonky schön vor sich hin, aber ich habe keinerlei (wirklich keine) Möglichkeit gefunden irgendwelche Konfigurationen vorzunehmen. Vielleicht habe ich auch den Button nur übersehen, weshalb ich nicht über Twonky herziehen kann, sollte jemand wissen wo sich Einstellungen wie “Welche Dateien Transcodiert werden sollen” oder auf “welche Auflösung transcodiert werden soll” befindet, so möge er das bitten in den Kommentaren hinterlassen.
Wild Media Server: Der kleine Riese.
Das auf Windows laufende OpenSource Projekt Wild Media Server kommt mit allem was sich der DLNA User wünscht: Filme werden mit IMDB oder Amazon Datenbanken abgeglichen, wodurch in die einzelnen Filme z.B. die Cover und die Inhaltsbeschreibungen mit aufgenommen werden. Man kann sich seine Filme nach Schauspielern sortieren lassen, nach Länge, nach Datum etc. Eine richtige Fülle an Möglichkeiten kommt auf einen zu, macht aber immer und immer wieder Lust auf noch mehr. Ein paar Stunden kann man sich schon damit beschäftigen, dafür ist der Umfang jedoch gewaltig. Als ob das transcodieren eines Filmes nicht schon genug Argumentation ist für den WMS: werden im Netz Untertitel zu dem Film gefunden, so wird dieser auf Wunsch gleich mit in den Transcodier-Vorgang mit eingebaut. Mitgelieferte Profile für die gängigsten Abspielgeräte sind schon onBoard, lassen sich aber verändern oder man erstellt komplett eigene Profile. Der Wild Media Server hat mich überzeugen können. Selbst die Art wie und was am Abspielgerät angezeigt wird, lässt sich einstellen. Zudem bietet er einen HTTP Server mit an. Surft man den WMS mit einem Browser an, so bietet er die ganze Mediathek im Browserfenster an, und streamt die Inhalte wahlweise über asx, m3u oder pl an den PC. Somit bietet sich die Möglichkeit auch von Unterwegs auf die heimische Sammlung zuzugreifen.
Wie sooft muss jeder selbst entscheiden was für Ihn am besten ist. Bei mir hat trotz des so überzeugenden Umfangs des WMS eine andere Software das Rennen gemacht: Der DIXIM Server von DigiOn, der allerdings nicht im Handel erhältlich ist sondern mit bestimmter Hardware als OEM erworben werden kann. Dieser transcodiert mir zwar nichts, ist aber ansonsten extrem schlank und ressourcensparend. Wenn ich mir für das Transcodieren einen modernen schnellen PC aufstellen muss, dann kann ich auch gleich einen Media Center PC unter den Fernsehr stellen, und spare mir so auch noch Stromkosten und Prozessorlast.
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Sehr informativer und ausgewogener Artikel – danke dafür!!