Haben wir bald Gras-Schlamm-Pferde in Deutschland?

Am 18. Juni 2009 hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, dass den Zugang zu kinderpornographischen Inhalten im Internet erschwert. Somit greift die Bundesregierung zum ersten Mal in die Freiheit des Internets ein, von vielen auch Zensur genannt.

Eingebracht wurde das “Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen” von der Familienministerin Ursula von der Leyen (Gesetzentwurf). In Deutschland gilt dieses Gesetz als sehr umstritten, niemand schreit zwar laut gegen die Sperrung von KiPo-Seiten, es bleibt aber viel Freiraum für zukünftige Internetsperren in anderen Bereichen, bis hin zur Einschränkung der freien Meinungsäußerung.

Laut Felix von Leitner wurde in den Abschlussverhandlungen der Eindruck geweckt, dass es nicht nur speziell um die Sperrung von Kinderpornographie geht, sondern z.B. auch um die Sperrung von Glückspielseiten oder Copyrightverletzungen. (FeFe’s Blog)

Und seit dem der Gesetzesentwurf öffentlich bekannt ist, lehnen sich sehr viele Menschen (und vor allem Internetuser) dagegen auf, durch Petitionen, Bilder und ähnliches:

Zensursula Wir sind ChinaGebt uns mal die Sperrliste

 

 

 

 

Und das sind nur einige der unzähligen Darstellungen die sich gegen das beschlossene Gesetz stellen. “Wir sind China!” zielt auf die unglaublich hohe Zensur in China ab, die seit Anfang des Jahres das Volk Chinas in beispielloser Weise einschränkt. Zwischen 30.000 und 40.000 Menschen sind täglich damit beschäftigt die “dunklen” Seiten des chinesischen Netzes zu durchforsten, ausländische Seiten zu sperren und zu kontrollieren. Wer in diesen Zeiten in China einen Internetanschluss bestellt, muss sich vorher bei der Polizei registrieren lassen und einen Vertrag unterschreiben keine “illegalen” Aktivitäten über die Datenleitung zu tätigen.

Und auch wenn die Umstände in Deutschland noch lange vergleichbar mit Chinesischen ist, so erhöht die nationale “Zensur” ein reges Interesse an ausländischen Sperren. So sind Bilder in China schon längst “oldschool”, der neue Weg ist die Verbreitung von Videos mit dem Gras-Schlamm-Pferd.

Das Gras-Schlamm-Pferd wird “Cao Ni Ma” ausgesprochen, klingt aber ähnlich dem Begriff “Motherfucker” wenn man diese Lautfolge etwas anders schreibt. Auf Grund des Erfolges des Gras-Schlamm-Pferdes wurden in chinesischen Blogs und Wikis immer mehr dieser “Fantasie-Wesen” geschaffen, z.B.  der französisch-kroatische Tintenfisch mit dem Namen Fa Ke You.

Hier ein Video des Gras-Schlamm-Pferdes, von fleißigen Bienchen englischsprachig untertitelt:

Der Autor des Videos schreibt dazu in den Kommentaren folgendes:

a german mainstream newspaper (spiegel) redirected me to this video.
I hope u all will get back your freedom of speech! In germany sadly they are making big efforts to install uncontrollable censorship on the web, too..

Noch sind wir in Deutschland nicht soweit das die Zensur unkontrollierbar ist, aber durch das verabschiedete Gesetzt scheint für viele der Weg dafür geebnet.

Ein weiterer groß verbreiteter Eindruck ist der Generationenkonflikt: Viele Politiker sind nicht mit dem Internet aufgewachsen, für sie ist das ganze wie für unsere Großeltern das Fernsehen – mit dem Unterschied das das Fernsehen damals rein auf staatlicher Ebene startete, ganz im Gegensatz zu dem Internet. Und somit gibt es teilweise haarsträubende Aussagen der Politiker zu der aktuellen Thematik:

"Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein." (Thomas Strobl, CDU)

Einige Politiker sind teilweise wirklich mit dem Wunschtraum unterwegs, das Internet bis auf Wikipedia.de zu sperren.

Damit ein User eigentlich bemerkt, dass er sich auf einer gesperrten Seite befindet, bekommt ein Stoppschild zu sehen. Na, Lust das Schild mal Live zu sehen? http://kinderpornos.info
Natürlich ist das keine wirklich gesperrte Seite.

Dass dieses Gesetz natürlich nicht den eigentlichen Handel mit Kinderpornographie unterbindet ist aber sogar den Politikern klar, aber es ist ja offenbar so einfach sich im Internet mit diesem Material einzudecken, schlimmer noch, es passiert ja meistens zufällig beim surfen. Seid Ihr schonmal zufällig (!) auf eine KiPo Seite gestoßen?

Ich wette hier und jetzt, dass es leichter ist, zufällig auf das Gras-Schlamm-Pferd zu stoßen als auf kinderpornographische Inhalte. Außer das Internet wird einfach abgeschalten…,

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