Ganz zu Anfang muss ich einfach zwei Dinge anmerken: Zum eine scheint das Samsung Wave S8500 eine sehr positive Mundpropaganda zu haben: Egal wo ich dieses Handy in der Hand hatte, ob in München oder Hamburg, ich wurde darauf angesprochen. Zweitens muss ich für den folgenden Text noch darauf hinweisen, dass meine Ansprüche an ein Handy andere sind als die die mir das Samsung Wave S8500 geben kann, das liegt daran dass ich seit über 8 Jahren nur PDA’s oder Smartphones hatte, darunter auch Apple’s iPhone.
Ein paar Tage lange habe ich versucht das Wave als einziges Handy zu benutzen. Es bringt ja die für mich wichtigste Eigenschaft mit: Das Exchange ActiveSync Protokoll – damit ist es mir möglich alle meine Kontakte, E-Mails, Kalendereinträge und Aufgaben über alle meine Endgeräte zu synchronisieren. Die Synchronisation ist schnell eingerichtet, und ging ohne Probleme von statten. Allerdings wurden ca. 40 Kontakte einfach nicht synchronisiert – ohne erkennbaren Grund oder Fehlermeldung: Es waren offensichtlich willkürliche Kontakte – später fiel mir auf dass es die Kontakte waren, bei denen ich ein Info in Outlook hinterlegt hatte.
Erstmal in der Hand fühlt sich das Wave allerdings sehr solide an, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass es nicht aus Plastik besteht, es scheint mir aus einer Art Aluminium zu sein. Der Deckel zum Akku lässt sich sehr schnell öffnen ohne dass spitze Fingernägel von Nöten sind, einfach den Riegel bei Seite schieben und SIM-Karte und Akku begrüßen einen. Jedoch ist die Abdeckung nicht absolut fest verankert, was ab und zu klapprig wirkt wenn das Handy auf den Tisch gelegt wird.
Der große Clou soll laut Samsung das SuperAMOLED Display sein – Bilder und Videos wirken tatsächlich gestochen scharf. Bei meinem Vergleichsgerät, dem HTC Desire mit AMOLED Display muss die Display-Helligkeit voll aufgedreht werden, um einen ähnlichen Eindruck zu bekommen. Im ersten Biergarten-Test ist jedoch das Display eindeutig besser zu lesen gewesen.
Eine Videoaufnahme aus München, Oper für alle 2010 mit Kent Nagano:
Und hier ein Bild aus dem Parcafé Biergarten in München:
Bilder und Videos sind gestochen Scharf. Das überzeugt wirklich. Und wer einen Samsung Fernseher sein Eigen nennt oder sonst ein DLNA-fähiges Endgerät kann seine Fotos direkt am Bildschirm empfangen. Die Bilder haben eine Auflösung von 2560 x 1920 Pixel und ca. 1.7 MB pro Bild, während das Video von “Oper für alle” mit einer Auflösung von 720 x 480 Pixel aufgenommen wurde, dafür aber auch 50 MB für 1:41 Min benötigt. Sehr gut ist auch die Tonqualität der Aufnahme, aber auch der interne Lautsprecher des Wave ist lauter als manche Laptoplautsprecher. Für kurzfristige U-Bahnkonzertbeschallung in jedem Fall zu empfehlen.
Das von Samsung entwickelte Betriebssystem BadaOS ist allerdings die größte Bremse, denn die Hardware des Wave lässt sich durchaus sehen: W-LAN mit 802.11 b/g/n, HSDPA, Bluetooth 3.0 mit Audiostreaming, GPS, TV-Ausgang und 1 GHz Prozessor – mit HTC Desire und dem Wave trage ich derzeit also Rechenleistung von 2 GHz in meiner Hosentasche – nicht schlecht. HSDPA ist leider nur mit 3,6 MBit/s nicht die schnellste empfangbare Art, aber durchaus noch der Standard. Doch zu empfehlen wäre eindeutig Android statt dem BadaOS.
Größtes Manko ist die fehlende Google Maps Integration – nur über m.google.com ist Maps erreichbar – für mich nicht tragbar. Dadurch fehlen auch Dienste wie Google Latitude völlig. App Icons können nicht auf einen der 6 Home-Screens gesetzt werden, sondern nur Widgets, die nur in sehr begrenzter Anzahl verfügbar sind. Generell wirkt alles etwas steif, bei iPhone und Android kann man lange Listen leicht anstupsen und sie scrollen langsam aus, bei dem Wave ist das nachscrollen nicht integriert. Schnelles Suchen ist somit nicht möglich.
Die Süddeutsche Zeitung kann auf dem iPhone 4 ohne hineinzoomen gelesen werden (wenn auch nur mit guten Augen und auf Grund des hochauflösenden Retina Displays), auf dem Wave kann man den Text gar nicht lesen, bei dem HTC Desire kann der Text auch noch gelesen bzw. erahnt werden. Generell eignet sich der Browser nicht wirklich zum surfen im Netz, ein weiterer großer Nachteil: Der Browser wird nicht als mobiler Browser erkannt, so dass manche Internetseiten die mobile Browser automatisch erkennen und auf den mobilen Surfmodus umschalten, dies nicht beim Wave tun.
Die Front-Kamera kann nicht zum fotografieren verwendet werden, sondern rein für die Videotelefonie, als Schminkspiegel Ersatz kann das Wave ebenso nicht verwendet werden. Ist das Handy auf Stumm geschalten so gibt es keine blinkende LED die nach kurzer Abwesenheit anzeigt ob ein Anruf oder eine E-Mail eingegangen ist, es muss immer wieder der Bildschirm aktiviert werden. Gefreut hatte mich der Anblick eines 3,5 Zoll Klinckenanschluss für den Kopfhörer, allerdings scheint dieser nur richtig gut mit den mitgelieferten In-Ear Kopfhörern zu funktionieren. Bei anderen Kopfhörern scheinen die Kontakte vertauscht zu sein, auf jeden Fall höre ich mehr Hintergrundgeräusche als die eigentliche Musik. In-Ear ist zwar sehr schön, aber für sportliche Aktivitäten nicht zu gebrauchen, da diese ständig aus den Ohren fallen (das ist aber bei allen In-Ear Kopfhörern so). Der Verschluss für die USB Schnittstelle schützt vor Schmutz und Staub, die Akkuleistung ist mit 2 Tagen durchaus im Rahmen aktueller Smartphones.
Ein sehr schönes Feature ist das integrierte Tethering, welches das Handy zu einem mobilen WLAN Hotspot verwandelt.
Bis eine E-Mail gepushed wird vergehen rund 60 Sekunden mehr als bei anderen Geräten. Und warum in der Anrufliste auch eingehende E-Mails und SMS angezeigt werden ist mir schleierhaft. Die Tastatur erkennt den Finger überraschend gut trotz des “kleinen” Displays. Und der Preis ist mit knapp über 300 EUR für die Hardware ziemlich unschlagbar.
Und offensichtlich kennt jeder das Wave, ich wurde in München und Berlin in der U-Bahn darauf angesprochen, und überall höre ich nur positive Kritik. Das Handy ist auch wirklich ok, aber Samsung hat m.E. nicht umsonst im Nachfolger Galaxy S ein AndroidOS eingebaut. Auf der Amazon-Produktseite wird das Wave durchweg gelobt. Es wurde gerade ein Wave 2 und Wave 2Pro angekündigt, die als zweite Generation dann das BadaOS verwenden werden:
Letztendlich möchte mann die Videos und Bilder auch auf den heimischen PC übertragen, dafür wird dann eine Software mit dem Namen KIES benötigt, die jedoch 140 MB (!!) für den Download benötigt. Ich möchte sowenig wie möglich Software benutzen, andere Hersteller schaffen es ja auch durch kleine Treiber das System einzubinden.
Was ist eure Meinung zum Samsung Wave?
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