Zusammenfassung für die Lesefaulen: guter Flug, hohe Luftfeuchtigkeit, 37 Grad, laut, dreckig und einfach viele Menschen. Und die Internetverfügbarkeit ist weit unter den Erwartungen, deshalb diesmal noch keine Bilder und erstmal ein Lebenszeichen von uns.

Lange Version:

Als Fluggast der heutigen Zeit ist man wohl behütet: es ist wie mit einer Herde Tiere die durch allerlei Gänge und Wartehallen geschleust werden, ständig auf Bildschirme schauend, die Ihnen anzeigen wann und wo die nächsten Schritte gemacht werden dürfen. Im Flugzeug angekommen erwarten einen modernste Entertainment Systeme, ja nicht nur das, es sind sogar Spielekonsolen die pro Gast am eigenen Monitor verfügbar sind!

Es soll Zeiten gegeben haben, da wurde während des Flugzeugstarts aus dem Fenster geschaut, man beobachtete die Häuser und Lichter die immer kleiner wurden aus seinem kleinem Guckloch – heute wird das durch Kamerasysteme direkt auf den eigenen Bildschirm präsentiert: Front-Kamera, Rück-Kamera, Bild-in-Bild um auch gar keine Perspektive zu verpassen. So kann man(n) sogar während des Rennsimulators noch mit einem Auge mitbekommen, dass man in einem Flugzeug und nicht zu Hause auf dem Sofa sitzt. Im Grunde erinnert die Atmosphäre an 3D Kinos mit ruckelnden Stühlen um den “Flugeffekt” möglichst realistisch darzustellen.

Wem das Board-eigene Entertainment dann doch zu langweilig ist, der kann sich per WLAN mit dem Internet (zu horrenden Preisen) verbinden und im World Wide Web surfen, und nebenher noch den Lieblings-Fernsehsender live sehen. Per USB können die Urlaubsfotos oder Filme vom eignen iPod auch auf den “großen” Monitor geworfen werden, vorausgesetzt das richtige Kabel ist vorhanden. Der digital Native fühlt sich durchaus wohl, doch wird er selbst in der “Freiheit über den Wolken” die komplette Flugzeit “entertaint”, so dass mancher am Zielort angekommen erst realisiert, dass er gerade tausende Kilometer hinter sich gebracht hat.

Aber nun zu uns, natürlich musste Patrick das Board-System komplett testen, letztendlich entschieden wir uns für den Film Men in Black III, und wurden nur von einem guten Abendessen unterbrochen, dass wir uns “a la carte” aussuchen durften. Immerhin, um 23:30 Uhr deutscher Zeit gab es noch ein Abendessen. Danach ein Bier um doch noch den erhofften Schlaf zu finden. Um 3:00 Uhr dann “Frühstück”, ein Wrap mit “scrambled eggs”, dazu für manche sogar einen Kaffee. 4:00 Uhr Der Horizont wird sichtbar, die Sonne steigt hinter den paar Wolken empor.

Ein paar Minuten später Landung in Maskat, Oman. Ausstieg auf dem Rollfeld, 37 Grad Celsius – es ist ja auch schon 7 Uhr Ortszeit. Drei Stunden Aufenthalt, dann in den Flieger nach Delhi, Indien.

Endlich, ein Reisegefühl kommt auf! Keine dickbäuchigen Deutschen mehr, mit Ihren weißen Tennissocken in Sandalen, auf dem Weg nach Phuket – wir sind 5 Europäer im ganzen Flieger, der Rest besteht aus Arabern und Indern, vorwiegend Männer. Anita wird ob Ihrer goldenen Haare beäugt wie ein Weltwunder. Auch kein Entertainment System. Während Patrick noch auf der Fahrt zum Startfeld entschlummert, unterhält sich Anita angeregt mit einem indischen Pärchen, welches aus der Schweiz zurück nach Indien reist und mit einigen Tipps aufwarten kann.

Wieder rollen die Wäglchen der Boardküche vorbei, diesmal schon mit indischem Essen welches uns beiden sehr gut schmeckt. Kurze Zeit später erfolgt die Landung in Neu Delhi, wir überstehen die Passkontrolle und freuen uns unsere Rucksäcke unbeschadet auf dem Förderband der Gepäckausgabe zu sehen. Die ersten zwei Nächte hatten wir schon vorab aus Deutschland gebucht, um nach den Strapazen der Anreise nicht in einer völlig fremden Umgebung ohne jegliche Erfahrung erst eine Unterkunft finden zu müssen. Zudem war in unserem Zimmerpreis ein Transfer vom Flughafen zum Hotel inklusive, und so machten wir uns auf jemanden mit einem Schild zu finden welches unsere Namen trägt. Der vorhergehende Satz lässt schon erahnen, dass wir niemanden fanden.

Patrick hatte im Reiseführer gelesen, dass es seit 2010 eine Metro gibt welche den Flughafen mit der Innenstadt verbindet, somit führte uns der nächste Weg also zur Metrostation. Schon auf dem Weg dorthin bemerkte Anita dass dort so gut wie niemand außer uns war, dort angekommen war auch sofort klar weswegen: die Metro war geschlossen, aus uns nicht näher bekannten Gründen. Also auf zur Busstation. Dort erfahren wir das in 15 Minuten ein Bus kommen wird, auf den sollen wir warten. Keine Schilder, kein Fahrplan, keine Busnummern, nur ein Inder der uns bedeutet zu warten. Ob er verstanden hat, das wir zum Hauptbahnhof in Delhi wollen – von dort aus sind es nur 500m zu unserer Unterkunft – wissen wir auch nicht so genau, aber es kommt ein Bus und wir steigen zusammen mit weiteren Indern ein.

Dem Aussehen nach ist es ein Linienbus, zwar gibt es im inneren auch keine Schilder, aber wir lassen uns erstmal darauf ein, und nach ein paar Minuten haben wir ungefähr verstanden wie das Prinzip funktioniert: es gibt eine Art Schaffner oder Kontrolleur, diesem wird das Reiseziel erklärt, welcher einem daraufhin verschiedene Zettel reicht die als Tickets gelten, dafür 150 Rupies (ca. 2.10 €) verlangt, und am Ende dem Busfahrer mitteilt wo er hinzufahren hat. Jedenfalls kam das für uns so rüber.

Nach ca. 25 Minuten Fahrt ist uns das System noch immer nicht 100%ig klar, manche steigen während des Fahrens einfach ein, manche werden gar nicht eingelassen, manche vom Kontrolleur nach deren Einstieg gebeten den Bus wieder zu verlassen. Ist eine Station oder besser Gegend erreicht die einer der Mitreisenden als Fahrziel angegeben hat, wird von Selben dies laut verkündet und man steigt auf der Straße aus. Während der Fahrt sehen wir Busstationen und auch Busse mit Nummern, ebenso wie wir es kennen, aber es sitzt in unserem Bus noch eine Europäerin mit dem selben Fahrziel wie wir, was besonders Patrick eine deutliche Erleichterung war als er das wusste.

Angekommen am Bahnhof, oder besser auf der Straße davor, stehen wir drei da, Emilie ist aus Frankreich und hat noch keine Unterkunft, und wir bieten Ihr an uns zu begleiten. Erstkontakt mit den Rikschafahrern und Taxlern: Alle wollen sie dir helfen und das am liebsten gleichzeitig. Wir orientieren uns, fragen uns durch und erfahren dass wir zuerst auf die andere Seite des Bahnhofs müssen. Nachdem auch das gemeistert war, befanden wir uns im Main Bazar, der Straße, in welcher sich das Ajay Guesthouse befindet, unsere Bleibe für die nächsten zwei Tage. Alles ist dreckig, staubig und laut, doch wir finden unser Ziel, auch Emilie bekommt ein Zimmer, die Qualität ist dem Preis angemessen, und wir verabreden uns mit Emilie sich in einer Stunde wieder an der Rezeption zu treffen, um gemeinsam Abendessen zu gehen.

Indien liegt 5,5 Stunden weiter als Deutschland, aber durch das Essen im Flugzeug welches schon zu ungewöhnlichen Zeiten kam, war uns wirklich nach einem Abendessen und wir hatten auch Hunger. Emilie konnte sich an ein vegetarisches Restaurant erinnern welches sie auf der Busfahrt gesehen hatte, da keine Gegenvorschläge von unserer Seite kamen war das auch unser erklärtes Ziel. Wieder über den Bahnhof, durch die lauten Straßen, bis wir nach 45 Minuten endlich ankamen, um dort dann mit einem köstlichem indischem Essen belohnt zu werden.

 

Wir kennen es von Veranstaltungen oder Konzerten, am Ende drängen sich Menschenmassen immer durch einen Ausgang, es ist eng, man geht voran so gut es geht, irgendwann hat man es geschafft und die Wege der Einzelnen trennen sich. Doch der Moment bis dorthin, bis zu dem Gefühl des frei Atmens, den kann man in Neu Delhi 24 Stunden haben. Wenn man will. Es sind einfach viele, und zwar so viele, dass man irgendwann begreift, dass es anders vielleicht auch gar nicht klappen kann: Die Straßen sind laut da sich hier nicht durch blinken verständigt wird, sondern durch kräftiges betätigen der Hupen. Um die Richtung des Hupenden besser einschätzen zu können, wird diese selbstverständlich mehrmals betätigt. Straßenspuren sind in manchen Fällen sogar vorhanden, aber aufgrund der Anzahl der Verkehrsteilnehmer wird jeder Zentimeter der vorhanden ist ausgenutzt.

In Indien wird links gefahren, außer auf der Gegenspur ist mehr Platz wie auf der Eigenen, dann eignet sich das Geisterfahren bestens um voranzukommen. Aber: für uns als Europäer, die wir es gewohnt sind uns an Vorschriften zu orientieren, macht das richtig Spaß das mit zu erleben! Gerne zahle ich 10 Rupies (ca. 15 Cent) um mich von einer Fahrradrikscha von A nach B bringen zu lassen. Kühe, Rikschas, Autos und Busse, alle haben Ihre Schrammen, aber es geht irgendwie immer weiter. Die Straßen Delhi’s sind jedoch mehr als reine Infrastruktur, hier wird zudem geschlafen oder Geschäft gemacht, ferner dienen sie als Abfalleimer für alle Arten von Müll. Das führt zu einem leicht ungutem Gefühl, sieht man manche Einheimische mit Schal oder Tuch vor Mund und Nase zum Schutz vor dem ständigen Staub in der Luft, welcher sich über Delhi wie ein Schleier legt.

Soweit für den Moment, ist ja auch ganze schön viel Text!

Anita&Patrick