Wir sind Millionäre! Am Flughafen Hanoi angekommen halten wir uns an das über die Reise einstudierte Protokoll: Geld abheben und Bus suchen. 2 Millionen Dong reicher (umgerechnet 75 EUR) finden wir den richtigen Bus der Richtung Zentrum fährt, allerdings erst in 30 Minuten. Eine Viertelstunde später sitzen wir in einem Minibus – angeblich illegal – der uns in die Altstadt bringt.
Hanoi gefällt uns richtig gut – wir kommen ja nicht gerade aus Deutschland – und so empfinden wir den Verkehr als sehr angenehm und vor allem ruhig! Und Hanoi ist sauber! Natürlich alles im Vergleich zu den Städten in Indien. Wir treffen deutsche Touristen, die sich über den Verkehr und den Smog echauffieren – wir hingegen erleben gerade ein richtig nettes Städtchen und genießen es durch die vielen Geschäfte in den Straßen zu schlendern.
Ebenfalls aus Indien mitgenommen haben wir die Erfahrung, dass das Essen in den heruntergekommensten Straßenküchen oft das beste (und günstigste) ist und so sind wir schon am ersten Abend in einer dieser Garküchen und genießen das gute Essen. Vor allem Anita lernt die vietnamesische Küche richtig lieben in den nächsten Tagen, die Früchte schmecken intensiv frisch und die Nudeln oder der Reis sind einfach lecker! Nach dem Abendessen befinden wir uns (mehr per Zufall) an einem der Hotspots für jugendliche Vietnamesen, kleine Hocker werden am Bürgersteig aufgestellt, man trinkt Zitronentee (Patrick bleibt doch eher beim Bier) und knabbert Sonnenblumenkerne. Wir unterhalten uns mit Einheimischen und es gefällt uns dort so gut, dass wir die nächsten Abende ebenfalls dort verbringen.
Der nächste Morgen beginnt mit Pho, einer Nudelsuppe mit Fleisch und frischen Kräutern, welche nicht nur zum Frühstück sondern den ganzen Tag gegessen werden kann – und wieder sitzen wir auf kleinen Hockern an der Strasse – die Roller hier kommen uns viel ruhiger vor als in Deutschland, es ist bedeckt und somit nicht zu heiß und wir genießen es.
Danach folgt das Sightseeing, das Ho-Chi-Minh Mausoleum, der Literaturtempel, das Wasserpuppentheater – irgendwie alles ganz nett, ein bisschen Kommunismus-Eindrücke und nette Architektur – aber es haut uns nicht um, so dass wir den nächsten Tag damit beginnen uns einen Motorroller auszuleihen.
Da Vietnamesen offenbar ganz Patrick’s Fahrstil entsprechen und es im Gegensatz zu Indien hier doch sichtbare Verhaltensweisen im Verkehr gibt – es ist diszipliniert und man hält immerhin an nachdem die Ampel (wenn vorhanden) schon ein paar Sekunden auf Rot steht – fühlen wir uns richtig frei und starten zum Hoa Binh See. Dort setzen wir uns zu den Anglern und lassen unsere Gedanken über die letzen Tage fliegen.
Der Motorroller ist definitiv Hauptverkehrsmittel und erste Wahl für den mobilen Hanoianer, doch als wir unsere Tour fortsetzen wollen bemerken wir recht schnell dass der Hinterreifen luftleer ist. Hilfreiche Vietnamesen, einige Telefonate und viel Zeit später vergeht uns die Lust am Fahren – vor allem da wir zuerst für den Schaden verantwortlich gemacht werden und sich bei genauer Begutachtung des Schlauches herausstellt, dass das Leck im Schlauch älteren Datums sein muss aufgrund eindeutiger Spuren – und so einigen wir uns auf die Hälfte des ausgemachten Preises und kaufen uns am Bahnhof Tickets nach Lao Cai.
Verlässt man die Stadt Hanoi gibt es für Touristen die Möglichkeiten Norden und Süden – im Norden wird im Gebirge Reis angebaut und die Touristenstadt dort ist Sa Pa. Hanoi kommt uns zwar ruhiger vor als indische Städte – jedoch wimmelt es hier vor Touristen – zumindest unserem Eindruck nach. Da in Hanoi aber jede Reisetour in den Norden nach Sa Pa führt, entscheiden wir uns dagegen und wollen stattdessen von Lao Cai aus dann mit dem Bus weiter nach Bac Ha, welches etwas niedriger liegt (knapp 1000m) als Sa Pa und (für uns wichtig) bei weitem nicht so touristisch sein soll.
Alles in allem gefällt uns Hanoi richtig gut – wir empfinden die Menschen als sehr freundlich und nicht so aufdringlich, die Hilfsbereitschaft wirkt echter und vor allem das Essen ist lecker. Es ist sauber auf den Straßen und wir haben auch ein gutes Hotelzimmer mit großem Balkon. Nach Indien sind wir mit gutem Handlungsgeschick ausgestattet und handeln alles runter, sei es Hotel, Taxi oder die Rollerfahrer, die uns mitnehmen. Auch uns geht es sehr gut, inzwischen sind wir ja schon eine Weile unterwegs, die Wäsche haben wir bisher 4 mal waschen lassen und bisher sind auch noch keine richtig schlimmen Dinge passiert. Aufgrund eines intelligent ausgeklügeltem Bankkonten Systems unsererseits und ein bisschen Dickschädeltums unserer Reisebank gab es schon Momente an denen uns die Automaten jegliche Auszahlung verweigerten – oder nur noch eine Million Dong ausspuckten – alles aber irgendwie lösbar.
Ein weiteres Paket schicken wir nun nach Deutschland – wir hatten die Wahl zwischen Luftpost (3 – 4 Wochen) oder Schiffspost (3 – 6 Monate) – gefüllt mit vielen Souvenirs erreicht das Paket nun hoffentlich in einem Monat sein Ziel.


























